Der Moment, als ich einfach nur 20 Minuten gelaufen bin – und alles leichter wurde

Der Moment, als ich einfach nur 20 Minuten gelaufen bin – und alles leichter wurde

Es war ein dieser grauen Mittwochvormittage im Februar. Ich saß am Küchentisch, starrte in den Bildschirm, und in mir drin fühlte sich alles schwer an. Kein richtiger Grund, einfach nur dieses dumpfe, bleierne Gefühl, das man nicht greifen kann. Die To-do-Liste war lang, die Motivation null. Ich scrollte ziellos durch Instagram, sah Leute, die lachend durch den Schnee liefen, und dachte: „Die haben’s leicht. Ich schaffe heute nicht mal aufzustehen.“

Dann kam der Moment, in dem ich mich selbst nicht mehr ertragen konnte. Ich stand auf. Zog die alten Laufschuhe an, die schon bessere Tage gesehen hatten. Jacke drüber, Mütze auf. Kein Plan, kein Podcast, kein Ziel. Nur raus. 20 Minuten. Mehr nicht. Das war der Deal, den ich mit mir gemacht hatte: „Wenn es scheiße ist, drehst du um. Aber erst nach 20 Minuten.“

Die ersten fünf Minuten waren Horror. Kalte Luft in den Lungen, Beine wie Blei, Gedanken, die schrien: „Geh zurück, leg dich wieder hin.“ Aber ich lief weiter. Schritt für Schritt. Der Asphalt unter den Füßen, der Wind im Gesicht, mein Atem, der weiße Wölkchen machte.

Irgendwann – ich weiß nicht genau wann – passierte es. Die Wolke in meinem Kopf wurde dünner. Die Enge in der Brust löste sich. Die Stimme, die mir den ganzen Morgen gesagt hatte „Du bist nutzlos, du schaffst nichts“, wurde leiser. Nicht weg, aber leiser. Stattdessen kam etwas anderes: ein leises, warmes Gefühl im Bauch. Endorphine? Serotonin? Keine Ahnung. Aber es fühlte sich an wie: „Hey, du bist noch da. Und du bewegst dich.“

Nach genau 20 Minuten blieb ich stehen. Schweiß auf der Stirn, Wangen rot, Atem schnell. Ich schaute in den Himmel – grau, aber irgendwie nicht mehr so erdrückend. Ich lachte leise vor mich hin. Nicht weil alles plötzlich perfekt war. Sondern weil ich gerade bewiesen hatte: Auch wenn der Tag beschissen anfängt, kann ich ihn umdrehen. Mit nichts als 20 Minuten und ein bisschen Willen.

Seitdem mache ich das öfter. Nicht jeden Tag. Aber wenn die Dunkelheit wieder kommt, weiß ich: Ich muss nicht meditieren, nicht therapieren, nicht alles analysieren. Ich muss nur raus. Laufen. Atmen. 20 Minuten.

Und jedes Mal passiert dasselbe: Die Traurigkeit kann nicht bleiben, wenn der Körper in Bewegung ist. Sie verliert ihren Platz. Weil da plötzlich Leben ist – Puls, Schweiß, Wind, Schritte. Und in diesem Moment ist kein Raum mehr für die Dunkelheit.

Also, wenn du gerade da sitzt und denkst „Heute geht gar nichts“: Zieh die Schuhe an. Nur 20 Minuten. Frische Luft. Bewegung.

Du wirst nicht als anderer Mensch zurückkommen. Aber du wirst dich wieder spüren

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