Tausend Mal gesehen, keinen interessiert’s: Arbeitskleidung, Berufskleidung oder neudeutsch Corporate Fashion. Haargegelte Typen im Nadelstreif für 79,90 mit einem kleinen Anstecker im Revers, Damen am Grill mit einem lustigen Käppi in Primärfarben, Maler in der weißen Montur – dort, wo die Farbe der letzten fünf Tage nicht hinspritzte.

Dabei hat schon Gottfried Keller gewusst: “Kleider machen Leute”. Und der war Schweizer. Nicht, dass jetzt und hier was gegen Schweizer sprechen würde – aber als Nabel der Modewelt ist die Schweiz ja noch ein Quäntchen von der pole position entfernt.

Tipp: Wer auf der Pirsch nach Neukunden ohne die rechte Jagdbekleidung angetroffen wird, kommt nie zum Blattschuss.

Ob Haute Couture oder Arbeitskleidung mit Pfiff: Fesch lebt sich’s einfach leichter…

Von der zünftigen Arbeitskleidung bis zur Corporate Fashion

Arbeitskleidung muss eine breite Palette von Ansprüchen erfüllen: Von der Wahrung der Sicherheit und dem Schutz vor Schmutz, Verletzungen und Umwelteinflüssen über die durch viele Waschzyklen reichende Standzeit von Textilien und Färbung bis hin zur repräsentativen Umsetzung einer Corporate Identity reichen die Punkte im Pflichtenheft des Einkäufers für Corporate Fashion.

War Berufskleidung seit ewigen Zeiten schon ein optisches Signal, um die Zugehörigkeit zu einer Berufsgruppe wie Ärzte und Krankenschwestern, Rauchfangkehrer oder Bäcker (karierte Hosen!), komplettiert die Arbeitskleidung im Corporate Design heute das optische Auftreten eines Unternehmens als Teil eines abgestimmten Gesamtpaketes aus Logo, Corporate Wording, vereinheitlichtem Farbschema oder Farbleitsystem und Corporate Font.

Eine junge Entwicklung? Nun, das scheint nur so. Wie so oft reicht ein Blick über den Zaun, dieses Mal aus dem kommerziellen hinüber in den Ethik-Bereich: Weltreligionen haben fast durchwegs schon kurz nach der Gründung vorexerziert, was heute als Teil von Unternehmenskulturen verstanden wird: Der Islam ist grün, buddhistische Mönche wirken schon durch ihre safrangelbe Kutte freundlich, und die katholische Kirche hat selbst den Jahreszeiten im Kirchenjahr Kleidungsfarben zugeordnet. Aber nicht nur das: Die Schweizer Garde im Vatikanstaat ist vermutlich das bekannteste Beispiel einer Organisationseinheit, die via Touristenschnappschüssen zu einer Ikone der Corporate Fashion wurde.

Corporate Fashion für die Schweizer Garde

Michelangelo wäre einer der ersten Mode-Designer für Corporate Fashion gewesen und habe die Dienstuniform der Polizeitruppe im Auftrag des Vatikan-CEOs entworfen – so die Legende. In Wahrheit ist die Arbeitsbekleidung der vatikanischen Wächter ein Entwurf ihres Kommandanten Jules Repond aus dem Jahr 1914. Aus der Sekundärliteratur wissen wir, dass die Uniform in Auflagen aus jüngeren Saisonen funktionale Details wie eine Tasche für die Dienstpistole SIG P220 dazugewonnen hat.

Die Lehre daraus: Stehen Mitarbeiter eines Unternehmens, gleich welcher Größe, im Außenkontakt, kann ein einheitlicher Auftritt die Prägung des Publikums mit der Marke wesentlich erhöhen. Schon Gottfried Keller schrieb “Kleider machen Leute”, und abgesehen vom Dienstfahrzeug kann kaum ein äußeres Zeichen mehr zur Imagebildung beitragen als gerade die Kleidung: Verlässlichkeit, Sauberkeit, Coolness, Seriosität und Lebenshaltung werden von der Business-Mode abgelesen – ob man es als Träger so will oder nicht.